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Tourplanung

Mit dem Auto sind wir die Strecke Brühl-Jestetten natürlich schon gefühlte 1000x gefahren. Dass ich mich völlig verfahre, sollte damit ausgeschlossen sein. Trotzdem ist eine detaillierte Tourplanung wichtig.

Für den ersten Überblick habe ich bei Google Maps nachgesehen. 507 Kilometer für die kürzeste Strecke, wofür der Durchschnitts-Google-Radfahrer 28 Stunden benötigen soll:
Erst einmal brav am Rhein entlang über Koblenz bis nach Bingen, bevor man dann etwas durch die Pampa in Richtung Speyer fährt. Irgendwann den Rhein per Fähre überqueren, rüber zur badischen Seite, Karlsruhe als nächste große Stadt im Blick, bevor es den Berg hoch und durch den Schwarzwald geht. Erst hinter Donaueschingen wird es wieder gemütlicher, um dann schließlich, nach einem kurzen Abstecher durch den Kanton Schaffhausen in der alten Heimat anzukommen.

Knapp 3.000 Meter hoch und 2.600 Meter runter und die ersten 330 Kilometer quasi durchs Flachland ohne nennenswerte Steigungen. Das wäre die grobe Strecke, ohne großartige Schwenks zu landschaftlichen oder kulturellen Highlights. Ich hab eigentlich auch gar keine Zeit, anzuhalten und Tourist zu spielen.

Feinplanung

Diese Grundlage habe ich schließlich in das Online-Tool von Komoot übertragen und nach ersten Feinjustierungen springt eine 473 Kilometer lange Tour raus, bei der es 3.880 Meter rauf- und 3.530 Meter runtergeht und wofür ich mit den Einstellungen „Fahrrad“ bei ambitionierter Fitness („Sehr sportlich“ – haha) 25 Stunden benötige. Ein kleiner dunkler Button mit der Aufschrift „Schwer“ steigert meine Motivation noch viel mehr. Nicht.

Übersichtskarte mit eingezeichneter Strecke
Maplibre | © Komoot | Map data © OpenStreetMap-Mitwirkende

Ähm nein, ich fahr die Strecke nicht am Stück

OK, es gibt sicher Bekloppte, die sich gern 25 Stunden lang den Hintern wund sitzen und die Strecke am Stück fahren, ich werde jedoch froh sein, in fünf Tagen fünf Etappen zu schaffen. Einfach durch fünf teilen wird angesichts des Anstiegs ab Kilometer 300 nicht möglich sein, weshalb ich hoffe, an den beiden ersten Tagen rund 120 und am dritten Tag 90 Kilometer zu packen, damit ich für die Tage 4 und 5 nur noch 170 Kilometer fahren muss (und davon gehen die letzten 30 wirklich nur noch bergab).

Eine weitere Einschränkung: Unterkünfte. Ich muss meine Tagesziele erreichen, weil ich alle Unterkünfte vorab reserviere. Im Zweifel bzw. Notfall mit Bus und Bahn.

1. Etappe: Brühl – Koblenz – St. Goar (129km)

Die ersten 18 Kilometer sind bekannt, da sie zum normalen Training gehören. Ab Hersel geht’s dann immer am Rheinufer entlang, durch Bonn hindurch, das Siebengebirge auf der anderen Seite stets im Blick.

Bei Remagen kann die Mündung der Ahr leider nicht mehr über die kleine Brücke gequert werden, also mit der Fähre rüber zur anderen Seite und ein paar Kilometer später wieder per Fähre zurück. 80 Kilometer danach ein touristischer Zwischenstopp in Koblenz am Deutschen Eck. Nach einem schnellen Foto geht’s gemächlich weiter, um nach 125 Kilometern in St. Goar anzukommen, wo nach einer einstündigen Dusche ein gemütliches Bett auf mich warten wird
➡️ 1. Etappe bei Komoot 🚴

2. Etappe: St. Goar – Schifferstadt (116km)

Auch an Tag 2 geht es erst einmal am Rhein entlang bis nach Bingen, wo ich den Fluss zum ersten Mal für eine längere Strecke verlasse. Der wahrscheinlich nicht sehr spannende Weg führt hoffentlich ohne Gegenwind durch unzählige Dörfer, die alle auf -heim enden (Welgenheim, Zotzenheim, Bickelheim, Dintesheim, …) bis Schifferstadt – die halbe Tour ist damit bereits geschafft!
➡️ 2. Etappe bei Komoot 🚴

3. Etappe: Schifferstadt – Speyer – Karlsruhe – Lautenbach (91km)

Tschüss Rhein: nach der halben Strecke überquere ich ihn in Leimersheim für € 2,50 per Fähre rüber zur badischen Seite. Wir sehen uns erst in zwei Tagen wieder.
Im Karlsruher Schlossgarten kann man sich nochmal ausruhen, denn danach geht es erstmals ernsthaft bergauf. Ab Gaggenau (141 m ü. NHN) schlängel ich mich entlang der Murg, bis zum beschaulichen Lautenbach (215 m ü. NHN).
➡️ 3. Etappe bei Komoot 🚴

4. Etappe: Lautenbach – Fluorn (71km)

So, tief Luft holen, denn heute geht es wirklich hoch, mit Steigungen bis 13%. Die Murg begleitet mich bis Baiersbronn (584 m ü. NHN) wo ich nach Freudenstadt (732 m ü. NHN) abbiege. Mit 822 m ist der Kienberg gleich mein höchster Punkt im Schwarzwald. Ich freue mich, denn bis zur nächsten Unterkunft in Fluorn (649 m ü. NHN) sind es nur noch 20 Kilometer und es geht meistens bergab.
➡️ 4. Etappe bei Komoot 🚴

5. Etappe: Fluorn – Jestetten (97km)

Letzte Etappe, letzte Kräfte mobilisieren. Der nächste Abschnitt ist nun dauerhaft über 600 m bis zum höchsten Punkt meiner Tour bei Randen, kurz vor der Grenze zur Schweiz: 834 m ü. NHN.
Ab hier heißt es: Kopf runter und laufen lassen. Auf der Mühlentalstraße geht’s bis ins Zentrum von Schaffhausen und da ist er wieder: der Rhein. Eigentlich könnte ich noch kurz bei meinem Bruder vorbeifahren und einen Kaffee trinken.

Auf jeden Fall fahre ich nun wieder am Rhein entlang bis zum Rheinfall, Europas größtem Schaumschläger. Ein allerletzter Anstieg, flott illegalerweise über einen unbesetzten Zoll und … ich bin am Ziel!
➡️ 5. Etappe bei Komoot 🚴

Tourplanung: Höhenprofil der Tour
Das Beste zum Schluss (© Komoot)

Zeit für Sightseeing?

Jemand hat gefragt, ob ich die Tour auch nach ästhetischen Gesichtspunkten planen werde, reizvolle Landschaften und touristische Hotspots und so. Nein. Aber ich komme trotzdem zwangsläufig an ein paar interessanten Punkten vorbei, für die es sich lohnt, kurz anzuhalten und wenigstens ein Foto zu schießen:

Alles durchgeplant, oder was?

Hört sich ja ganz nett an, so ein detaillierter Plan, aber was, wenn etwas dazwischenkommt? Vom platten Reifen bis zum Sturz, Dauerregen oder totaler Erschöpfung kann alles vorkommen. Tjo, dann habe ich vielleicht Pech gehabt oder es geht eben doch irgendwie weiter.

Ich bin mir auch sicher, dass sich die ein oder andere Etappe noch ändern wird, je näher ich den Start und damit meiner Fitness komme.

Auf jeden Fall freue ich mich 😉

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